Keine Lust auf günstige Arzneimittel

Mit Nachahmermedikamenten liessen sich 350 Mio. Fr. sparen. Doch Ärzten und Patienten fehlen die Anreize, sie einzusetzen.

Bei der laufenden Revision des Heilmittelgesetzes geht es um richtig viel Geld. 6,6 Mrd. Fr gaben die Krankenversicherungen 2015 für Medikamente aus. Offiziell herrscht Einigkeit: Diese Ausgaben sind hoch und sollten möglichst weiter steigen. Der Fokus bei der Revision liegt auf den Generika. Die sollen billiger werden.

Quellenangabe: NZZ

«Generika sind eigentlich zu billig»

«Generika sind eigentlich zu billig»

Axel Müller, Geschäftsführer von Intergenerika, über seinen Zwist mit dem Preisüberwacher

Herr Müller, «vom Herzen her» sind Sie mit Pharma verbunden. Sie stimmen aber auch die Lobeshymne auf Generika an. Wie passen Innovatoren und Kopisten zusammen?

Axel Müller: Es gibt in der Tat Pharma-Menschen, die zu Generika auf Distanz gehen. Aber das ist eine antiquierte Haltung, die man teilweise auch hierzulande noch antrifft. In den meisten Ländern ist das kein Thema mehr. Ich bin sogar der Meinung, dass die forschende Pharmaindustrie und die Generikabranche in einer harmonischen Symbiose leben. Ohne Pharmaforschung gäbe es für uns keine Produkte, die wir nachbauen könnten. Umgekehrt stünde die Industrie nicht unter dem Druck, innovativ zu bleiben, sondern könnte sich auf ihren Lorbeeren ausruhen und die Erträge ihrer Entwicklung vor 20, 30 Jahren beliebig lang einfahren.

Sie kokettieren damit, nicht nur Kopisten zu vertreten.

Wir bauen ja nicht einfach nach, sondern verbessern die Original-Arzneimittel kontinuierlich. Dies, immer mit der Massgabe, dass Generika ebenso gut wirken wie das Original. Aber nicht selten sind Generika die besseren Formulierungen als die alten Originale.

Quellenangabe: Basler Zeitung

Ein Apotheker ist «Mister Generika»

Ein Apotheker ist «Mister Generika»

Axel Müller hat keine Bisshemungen und weist Vorwürfe des Preisüberwachsers zurück.

Intergenerika, der Dachverband der Schweizer Generika-Produzenten und -Distributoren, steht unter neuer Führung. Peter Huber, der den Verband seit 2011 geführt hatte, zog es vom Haus der Wirtschaft in Liestal auf den Novartis-Campus in Basel. Huber, von Haus aus Ökonom und vor seiner lmergenerika-Zeit während mehr als 20 Jahren für Spirig Pharma tätig, wurde von Novartis als neuer Public-Affairs-Chef für die Schweizer Landesgesellschaft verpflichtet.

Hubers Nachfolger ist Axel Müller (59), in der Schweizer Pharmabranche gewissermassen ein beschriebenes Blatt. Er bringt über 30 Jahre Managementerfahrung mit. Mit seiner Ernennung per Anfang Mai dieses Jahres ist eine Premiere verbunden: Die Geschäfte des 15-jährigen Branchenverbandes werden erstmals von einem gelernten Apotheker geführt.

Quellenangabe: Basler Zeitung

«Sanieren darf nicht krank machen»

Der Kosten- und Rationalisierungsdruck in der Wirtschaft nimmt weiter zu. Die Herausforderungen für Führungskräfte und Mitarbeitende sind hoch. Manchmal gibt es keine Alternative zu Entlassungen. Nicht das «Ob», sondern das «Wie» ist dann entscheidend.

Im Film «Up in the Air» mit George Clooney wird ein Outplacement-Berater von seinem Arbeitgeber zu Firmen geschickt, die nicht den Mut haben, ihre Angestellten selbst zu entlassen. Ist das die Zukunft?

Axel Müller: Bestimmt nicht! Sich von seinen Mitarbeitern auf eine solch unpersönliche und unmenschliche Art und Weise zu trennen, darf keine Schule machen. Kündigungen über Dritte oder gar über SMS sind ein Reputationskiller. Im Kampf um die besten Talente unternehmen die Firmen grosse Anstrengungen bei der Gewinnung und Bindung der besten Mitarbeiter. Menschen derart stillos hinauszukomplimentieren steht im krassen Widerspruch zu dieser Politik.

Als Manager haben Sie schon mehrere Unternehmen saniert. Wo liegen die Grenzen der Rationalisierung?

Der andauernde Kosten- und Rationalisierungsdruck in der Wirtschaft führt zunehmend zu Kollateralschäden. Die für die Gesellschaft entstehenden Kosten in Form von Burn-outs oder Depressionen explodieren, erscheinen aber in keiner Unternehmensbilanz. Es braucht ein Umdenken und mehr Menschlichkeit. Auch wenn Entlassungen im Rahmen einer betriebswirtschaftlichen Sanierung unausweichlich sind, dürfen sie nicht zu psychischen und seelischen Erkrankungen der Betroffenen führen.

Quellenangabe: ALPHA – Der Kadermarkt der Schweiz

Unsere Medikamente sind zu billig!

Die Schweizer stöhnen gerne über die Gesundheitskosten. Gerade bei gängigen Heilmitteln ist jedoch nicht der zu hohe, sondern der zu niedrige Preis das Problem.

Was ist der Unterschied zwischen einem T-Shirt und einer Schmerztablette? Beim einen steht drauf, dass es made in India ist, beim anderen weiß man es nicht so genau. Ansonsten ist es beim Medikament wie bei der Mode: Die meisten Hersteller produzieren dort, wo es möglichst günstig ist. Also in Ländern wie China oder Indien. Nur wird das hier, anders als bei Hennes & Mauritz, nicht verraten. Denn ein Medikament, das ist im gängigen Glauben weiterhin von Wert – es wird irgendwo im Großraum Basel hergestellt, vielleicht sonst wo in Europa, allenfalls in Nordamerika. Es ist teuer, so die Wahrnehmung, und zwar dermaßen teuer, dass die Preise der Pharmazeutika fast so regelmäßig zum Politikum werden wie die Geschenke an die Bauern. Preisüberwacher Stefan Meierhans, Konsumentenschützerinnen oder Krankenkassen veröffentlichen unentwegt Zahlen und Studien, welche die Schweiz als Arzneimittel- Luxusinsel erscheinen lassen.

Quellenangabe: Zeit Online