«Wir sind die Guten» – Generika in der Gesundheitsbranche
Generika, die patentfreien Qualitäts-Arzneimittel, sind auch in der Schweiz zweifellos eine Erfolgsgeschichte, stehen jedoch wegen angeblich im internationalen Vergleich überhöhter Preise vermehrt am Pranger. Der Geschäftsführer des Branchenverbands kritisiert dieses einseitige Bashing und kontert im folgenden Interview.
Sie kennen sicher die Argumentation, Generika-Unternehmen würden das schnelle Geld machen, indem sie nur das Original kopieren.
Diese klischeehafte Behauptung ist schlichtweg falsch. Die patentfreien Qualitäts-Arzneimittel sollten vielmehr als die besseren Medikamente angesehen werden, da sie im Vergleich zu den älteren Originalen mit zum Teil moderneren Methoden entwickelt und hergestellt werden und oft eine verbesserte Galenik (Zubereitung und Herstellung) aufweisen. Und das noch zum günstigeren Preis! Daher sind wir die Guten in der Gesundheitsbranche.
Es geht darum, zum Wohl des Patienten das Präparat noch besser zu machen; auch mit Dienstleistungen, die darum gruppiert sind. Zum Beispiel mit einem Patientenratgeber. Generika stehen auch für Innovation. Nur ein Beispiel von vielen: Man umhüllt die besonders für Kinder ungeeignete, bitter schmeckende Tablette mit einem süssen Überzug. Solche und viele weitere Dienst- leistungen würden bei einem reinen Preis- wettlauf nach unten, den wir aktuell erleben, wegfallen.
Quellenangabe: KMU Rundschau, Sonderdruck Intergenerika
Medikamente: Original oder Generika?
Der Bundesrat will die Medikamentenpreise ein weiteres Mal senken. Das Bundesgericht hat dem Bundesrat dabei rechtgegeben. Doch die Lager sind gespalten, gerade die Pharma ächzt unter den neuerlichen Preissenkungen.
Durch das ständige „Herumschrauben“ an den Medikamentenpreisen, in den letzten sechs Jahren sechs Mal, werde die Schweiz mehr und mehr zu einem unsicheren Wirtschaftsstandort. Man laufe Gefahr, dass die Produktion ins Ausland ausgelagert werde. Mit dem hohen Medikamentenpreis werde auch die Forschung und der Produktionsstandort Schweiz gefördert. Das Problem sei vielmehr, dass Generika in der Schweiz immer noch einen sehr geringen Marktanteil ausmachen würden. Ärzte und Apotheker würden beim Verkauf von teureren Originalpräparaten auch eine höhere Gewinnmarge erzielen als bei Generika, was einen vollkommen falschen Anreiz schaffe. Der Wunsch wird laut, dass der Bund sich nicht mit weiteren Preissenkungen beschäftigen soll, sondern ein von Grund auf neues System erschaffen möge.
In der Sendung TOP MED „Medikamentenpreise – Der Teufel steckt im Detail“ spricht David Staudenmann mit Jean-François Steiert, Dr. Axel Müller und Andreas Faller über die Pläne des Bundesrats, die Medikamentenpreise ein weiters Mal zu senken.
Mut zu Veränderungen statt ständige Korrekturen
Dr. Axel Müller, Geschäftsführer Intergenerika
Keine Lust auf günstige Arzneimittel
Mit Nachahmermedikamenten liessen sich 350 Mio. Fr. sparen. Doch Ärzten und Patienten fehlen die Anreize, sie einzusetzen.
Bei der laufenden Revision des Heilmittelgesetzes geht es um richtig viel Geld. 6,6 Mrd. Fr gaben die Krankenversicherungen 2015 für Medikamente aus. Offiziell herrscht Einigkeit: Diese Ausgaben sind hoch und sollten möglichst weiter steigen. Der Fokus bei der Revision liegt auf den Generika. Die sollen billiger werden.
Quellenangabe: NZZ
«Generika sind eigentlich zu billig»
Axel Müller, Geschäftsführer von Intergenerika, über seinen Zwist mit dem Preisüberwacher
Herr Müller, «vom Herzen her» sind Sie mit Pharma verbunden. Sie stimmen aber auch die Lobeshymne auf Generika an. Wie passen Innovatoren und Kopisten zusammen?
Axel Müller: Es gibt in der Tat Pharma-Menschen, die zu Generika auf Distanz gehen. Aber das ist eine antiquierte Haltung, die man teilweise auch hierzulande noch antrifft. In den meisten Ländern ist das kein Thema mehr. Ich bin sogar der Meinung, dass die forschende Pharmaindustrie und die Generikabranche in einer harmonischen Symbiose leben. Ohne Pharmaforschung gäbe es für uns keine Produkte, die wir nachbauen könnten. Umgekehrt stünde die Industrie nicht unter dem Druck, innovativ zu bleiben, sondern könnte sich auf ihren Lorbeeren ausruhen und die Erträge ihrer Entwicklung vor 20, 30 Jahren beliebig lang einfahren.
Sie kokettieren damit, nicht nur Kopisten zu vertreten.
Wir bauen ja nicht einfach nach, sondern verbessern die Original-Arzneimittel kontinuierlich. Dies, immer mit der Massgabe, dass Generika ebenso gut wirken wie das Original. Aber nicht selten sind Generika die besseren Formulierungen als die alten Originale.
Quellenangabe: Basler Zeitung
Ein Apotheker ist «Mister Generika»
Axel Müller hat keine Bisshemungen und weist Vorwürfe des Preisüberwachsers zurück.
Intergenerika, der Dachverband der Schweizer Generika-Produzenten und -Distributoren, steht unter neuer Führung. Peter Huber, der den Verband seit 2011 geführt hatte, zog es vom Haus der Wirtschaft in Liestal auf den Novartis-Campus in Basel. Huber, von Haus aus Ökonom und vor seiner lmergenerika-Zeit während mehr als 20 Jahren für Spirig Pharma tätig, wurde von Novartis als neuer Public-Affairs-Chef für die Schweizer Landesgesellschaft verpflichtet.
Hubers Nachfolger ist Axel Müller (59), in der Schweizer Pharmabranche gewissermassen ein beschriebenes Blatt. Er bringt über 30 Jahre Managementerfahrung mit. Mit seiner Ernennung per Anfang Mai dieses Jahres ist eine Premiere verbunden: Die Geschäfte des 15-jährigen Branchenverbandes werden erstmals von einem gelernten Apotheker geführt.
Quellenangabe: Basler Zeitung
Telefon:+41 61 927 64 08
Telefax:+41 61 927 64 10
E-Mail:axel.mueller@intergenerika.ch